
Von jeher ist der Tollensesee ein beliebtes Ausflugsziel. Einzelne Ausflugslokale konnten bereits ab 1844 mit dem Dampfer besucht werden. Jedoch gab es Anträge aus der Bevölkerung nach einer Badeanstalt und Beschwerden darüber, dass allerlei junges Volk im Oberbach badete, und da die Badekleidung etwas desolat war, nahmen einige Damen daran Anstoß.

Als 1844 die Plattenburg am Marienkirchhof abgerissen wurde, legte der Rat der Stadt fest, dass aus diesem Material eine Badeanstalt errichtet werden soll. Die Badeordnung bestand aus sieben Punkten: Vormittags bis 10 Uhr durften die Damen baden, ab 11 Uhr bis abends die Herren. Der Preis pro Badetag betrug für Erwachsene 3 Schilling. Die Einkünfte gingen zu zwei Drittel an die Stadt und ein Drittel war der Lohn des Badepächters. Dem "Schenkwirt Paetow war das officium des Aufsehens übertragen".

In den Ratsprotokollen von 1846 bis 1849 finden wir oft Mitteilungen, dass das Badehaus durch den Eisgang im Winter beschädigt wurde, so dass man sich 1850 entschloss, ein schwimmendes Badehaus zu bauen. Das Badeschiff schien sich aber nicht zu bewähren, ständige Reparaturarbeiten wiesen darauf hin.

1865 wurde der Zimmermeister Allrich beauftragt, ein neues Badehaus zu bauen. Ständige Erweiterungen der Badeanstalt weisen auf größer werdende Badebedürfnisse hin. Da die Pächter immer Gastwirte oder Bierhändler waren, fand auch eine gastronomische Betreuung statt, die vor allem Spaziergänger anzog.

1905 übernimmt der Badepächter Benz die Badeanstalt. Er erweiterte die Gebäude am Ufer und baut so seine "Restauration" auch für Sommergäste aus. Den älteren Neubrandenburgern ist er sicher noch als "Bade-Benz" geläufig.

Anfang der 50er wurde das Badehaus von der staatlichen Handelsorganisation HO-Gaststätten übernommen und als Selbstbedienungs- restaurant geführt. Bei schönem Wetter herrschte hier stets Hochbetrieb.
Nach der Wende 1989 verfiel das Badehaus in einen Dornröschenschlaf, und die Zeit hinterließ ihre Spuren an dem alten Gebäude. Das Haus verlor seinen einstigen Glanz, es wurde schließlich zum Ärgernis. Im Frühjahr 1999 wurde das alte Badehaus vollständig abgerissen und ein Neuaufbau begann.

Am 5. März 2000 wurde das traditionelle Haus in neuer Pracht an alter Stelle wiedereröffnet.
Die neuen Besitzer Liane und Norbert Hein wachen nun nicht mehr über die Badeordnung, sondern, dass das Badehaus wieder zum beliebten Ausflugsziel für Einheimische, Touristen, Jung und Alt wird.